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03.12.2008

8-Punkte-Programm der FDP für eine bessere Schulpolitik

Jörg-Uwe Hahn: „FDP steht für bessere Bildung in Hessen.“ - Dorothea Henzler: „Eigenverantwortung für guten Unterricht statt Reformchaos.“

„Gute Bildung hängt entscheidend von guten Schulen und besonders von gutem Unterricht ab, diesen gilt es konsequent in seiner Qualität zu entwickeln“, so Hahn weiter.

„Nicht die Veränderung der Schulformen bringt unser Schulsystem voran, sondern ausschließlich eine konsequente Veränderung des Unterrichts von der Belehrung hin zum selbst organisierten Lernen und damit zur individuellen Förderung. Lernen darf sich nicht in der Anhäufung von Wissen erschöpfen, sondern muss den Aufbau von Kompetenzen erreichen“, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Hessischen Landtag, Dorothea Henzler.

Die FDP strebe nur solche Veränderungen im Schulbereich an, die diesem Ziel dienten und zu mehr Qualität des Unterrichts führten.

„Ansonsten benötigen Schulen Ruhe vor weiteren Reformen, damit sie, ausgestattet mit den nötigen Rahmenbedingungen, in Freiheit und Verantwortung die Entwicklung zu mehr Qualität eigenständig vorantreiben können“, zeigten sich Hahn und Henzler überzeugt.

Im Einzelnen bedeute dies für die nächste Legislaturperiode:

1. Lehrerinnen und Lehrer als Lernberater
Lehrerinnen und Lehrer sind der Schlüssel für guten Unterricht. Neue Unterrichtsformen benötigen entsprechend ausgebildete Lehrkräfte, die die Gestaltungsfreiheit bei der Wissensvermittlung im Unterricht nutzen und im Team aktiv an der Schulprofilbildung mitarbeiten. In dieser neuen Rolle muss der Lehrer vom Belehrenden zum Moderator und Lernberater werden. Er leitet die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigem Lernen an. Bei wirklicher individueller Förderung müssen die Fähigkeiten jedes einzelnen Kindes im Mittelpunkt des Unterrichts stehen. Auf diese neue Rolle müssen die hessischen Lehrkräfte in der Aus- und Fortbildung vorbereitet werden.

2. Eigenverantwortung anstatt Reformchaos „von oben“
Die hessischen Schulen wurden in den vergangenen Jahren mit vielen bürokratischen Reformen belastet, die es ihnen erschwert haben, sich auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren, nämlich guten Unterricht und individuelle Förderung. Die FDP will eine neue Reformwut verhindern und stattdessen die Schulen vom Gängelband der Politik und Bürokratie lösen und sie Schritt für Schritt in die Freiheit entlassen. Die eigenverantwortlich arbeitenden Schulen sollen die Organisation des Unterrichts, wie zum Beispiel gemeinsamer Unterricht verschiedener Bildungsgänge, Klassengrößen und Stundenpläne, im Rahmen der Bildungsstandards eigenständig bestimmen und dadurch ihr Profil schärfen können. Die FDP bietet ihnen dafür eine ausreichende Personal- und Finanzausstattung und schlanke, aber verlässliche staatliche Rahmenbedingungen.

3. Mehr Personal für mehr individuelle Förderung
Für guten Unterricht benötigen Schulen mehr Personal, um jedes Kind nach seinen individuellen Bedürfnissen fördern zu können. Die Stellenzuweisung nach den Vorgaben der jeweiligen Klassengröße sind dabei hinderlich und sollten durch eine Lehrerzuweisung nach Schulform, Gesamtschülerzahl und Sozialindex ersetzt werden. Die FDP will den Schulen ein Budget im Gegenwert von 105 Prozent Lehrerstellen zuweisen, verbunden mit der Möglichkeit, bis zu 20 Prozent davon als Geld zur eigenverantwortlichen Verfügung zu nutzen. Schulen brauchen dringend die Möglichkeit ihre Personalzusammensetzung selbst bestimmen zu können, um entsprechend ihrem Schulprofil zum Beispiel Sozialpädagogen, Schulassistenten oder Verwaltungskräfte einstellen zu können. Damit kann jede Schule abgestimmt auf ihr Schulprofil Personal einsetzen. eine verlässliche Schulzeit garantieren und Klassengrößen eigenverantwortlich regeln.

4. Schulvielfalt anstatt „eine Schule für alle“
Kinder haben unterschiedliche Begabungen, Talente, Stärken und Schwächen. Deswegen müssen sie so individuell wie möglich gefördert werden. Damit Eltern die Möglichkeit haben, aus einem breiten Angebot an Schulformen wählen zu können, setzt die FDP weiterhin auf die Schulvielfalt in Hessen. Sie ist das Markenzeichen des hessischen Schulsystems und bietet Schulen in Form von getrennten Bildungsgängen an, aber auch gemeinsames längeres Lernen bis zur Klasse 10. In Hessen muss man weder eine „neue Schule für alle“ noch das „Haus der Bildung“ erfinden und mit besonderen Finanzzuweisungen ausstatten.

5. Erhalt der Bildungsgänge
Die FDP setzt sich für den Erhalt der drei Bildungsgänge (Haupt-, Real- und Gymnasial-) mit ihrem Profil und ihren landesweit einheitlichen Abschlussprüfungen ein. Jede Abschlussprüfung muss die Möglichkeit zu einem Weiterlernen für den nächstfolgenden Abschluss geben. Damit ist gewährleistet, dass nicht nur der Weg über das Gymnasium die Hochschulreife und ein Studium ermöglicht, dieser Weg ist auch über die Hauptschule offen. Für die FDP gilt: Kein Abschluss ohne Anschluss!

6. Mehr Ganztagsschulen und -angebote für mehr Bildung
Viele Kinder brauchen mehr Bildungsangebote und mehr Zeit zum Lernen. Ganztagsschulen und –angebote bieten diese Möglichkeit und damit mehr Bildungschancen. Schule muss deswegen mehr sein als ein Ort der Wissensvermittlung, sie soll zum Lebensraum für Schülerinnen und Schüler werden und die unterschiedlichsten Bildungs- und Freizeitangebote ermöglichen. Dafür sollen die Schulen eigenständig ihren Ganztagsbetrieb weiterentwickeln können, indem sie sich ihrem Umfeld öffnen und mit Vereinen und Verbänden kooperieren. Besonders für die Bildungsgänge Haupt- und Realschule müssen gebundene, also verpflichtende, Ganztagsschulen eingeführt werden, denn nur so kann man die Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern wirklich erreichen und fördern.

7. Chancengleichheit am Start in die Schule
Alle Kindertagesstätten sind für die FDP Bildungseinrichtungen und sollten daher dem Kultusministerium zugeordnet werden. Um den Bildungs- und Erziehungsplan umsetzen zu können, bedarf es einer besseren Personalausstattung dieser Einrichtungen zu Lasten des Landes. Alle Kinder sollten die gleichen Startchancen bei Schuleintritt haben. Dafür fordert die FDP ein verpflichtendes Vorschuljahr für alle Fünfjährigen mit eigener, dem Alter der Kinder entsprechender Pädagogik. In diesem Jahr sollen die Kinder durch gezielte individuelle Förderung auf die Schule vorbereitet, ihre Talente entwickelt und Schwächen ausgeglichen werden. So erhält jedes Kind bereits am Start die bestmögliche Ausgangsperspektive für eine erfolgreiche Schullaufbahn.

8. G8 konsequent verbessern
Die Einführung der Schulzeitverkürzung in Hessen hat zu großen Problemen für Schüler, Lehrer und Eltern geführt. G8 ist auch nach den ersten Nachbesserungen noch eine Baustelle und muss weiterhin konsequent verändert werden. Eine Überarbeitung der Lehrpläne sowie eine freiere Unterrichtsgestaltung müssen dazu führen, dass nur Lerninhalte vorgegeben werden, die höchstens 70 Prozent der Unterrichtszeit eines Faches umfassen. Lehrkräfte und Schüler können dann entscheiden, ob sie die verbleibende Unterrichtszeit zur Vertiefung des Stoffes oder für neue Lerninhalte nutze.



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